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Japanisches Schach

Europameisterschaften?

Ja, kaum zu fassen - aber die gibts wirklich. Was gehört davon? Nein? Vielleicht liegt es daran dass es niemanden interessiert? Oder es wurde einfach wenig berichtet?

Hier die Aufklärung: Mindestens seit 1990 veranstaltet die FESA, der Dachverband der Europäischen Shogiverbände, Europameisterschaften. Eine durchaus aufregende Veranstaltung, für die Teilnehmer die den Weg dorthin finden. Dieses Jahr fand der Event vom 12.7. - 15.7.2007 zusammen mit anderen Spielen, darunter grossen Amateurschachturnieren, im tschechischen Pardubice statt. Wieder einmal sandte der japanische Profiverband zwei dort unter Salär stehende Profispieler ins ferne Europa um Aufbauarbeit zu leisten.

35 Shogispieler kämpften im KO System um den Titel eines Europameisters (ESC) und im gleichen Turnier spielend um den ersten Platz der "Offenen Weltmeisterschaft" (WOSC) - der Amateure, natürlich. Und besonders erfreulich das Resultat aus deutscher Sicht: Der stärkste deutsche Spieler, Boris Mirnik aus Berlin, wurde Gesamtsieger vor Tobias Marczewski aus München (derzeit beruflich in Grossbritannien) sowie dem in München lebenden Japaner Kimio Takahashi. Herzlichen Glückwunsch !

Doch was bringt das dem Europäischen Shogi für die Entwicklung seiner Popularität? Nüchtern betrachtet: Fast Nichts. Gemessen an der Teilnehmerzahl ist es nichts anderes als ein Treffen einiger eingeweihter Experten. Atmosphäre gut, aber von der Bedeutung für Shogi deutlich überschätzt. Es ist ungefähr genauso, wie schon diverse Deutsche Meisterschaften mit deutlich weniger Teilnehmern abliefen: Mit grossem Aufwand einzelner organisert, wenig Teilnehmer angelockt, ineffektiv, mit wenig Presse- und Medienarbeit im Vorfeld. Leider nach dem Turnier ebenso fast gegen null. Partien oder wenigstens Teile davon im Internet zu veröffentlichen (im Weltschach absolut selbstverständlich) - beim Shogi hat man das offenbar nicht nötig (wir sprechen über die Europameisterschaft!).

Es ist lobenswert, dass der Japanische Profiverband das Geld für Flugreise und Spesen von Profispielern übrig hat. Aber dieses Geld wäre besser investiert in die Unterstützung weniger Helfer (es gibt viel zuwenig davon, aber es gibt sie), die Arbeit vor Ort leisten, in die Schulen gehen, in die Kindergärten, auf Manga/Anime-Messen - JAPAN IST DOCH "IN"!
2.000-3.000 EUR in die englische Übersetzung des beliebtesten Japanischen Shogi Mangas zu stecken wäre effektiver als alle europäischen Shogiturniere in den letzten 20 Jahren zusammen.

Die Europameisterschaft, ein Möchtegern-Aushängeschild und doch Privatveranstaltung. Zuviele Protagonisten, die Ihre Pfründe verteidigen möchten anstatt Shogi wirklich voranzutreiben. Ein Verband, dem es um die Verbreitung von Shogi in Europa geht, sollte seine Prioritäten woanders setzen.